SKS - Ausbildungstörn
Bericht
Bericht über den Ausbildungstörn vom 03. bis 10.04.09 auf der Kalliste
Der geneigte Leser vernehme hier den Törnbericht von Harald, dem Skipper, und seinen getreuen Gefährten ausgehend von Stavoren am Ijsselmeer.Bei strahlendem Wetter trafen sich die Teilnehmer abends in Stavoren, wobei zunächst die Beladung der Kalliste mit Proviant und textilen Kleinigkeiten auf dem Programm stand. Aus Platzmangel musste die holde Weiblichkeit zu ihrem Leidwesen auf das „ kleine Schwarze“ und die „high heels“ verzichten. Dafür hatte Harald als Proviantmeister wirklich zugeschlagen. Wir fragten uns alle, wer wohl die 50 Pfefferbeißer vertilgen sollte, die dekorativ zum Trockenen in der Kajüte hingen...... Bei diesem Thema konnte Patrick kein Ende bekommen, um von seinem traumatischen Erlebnis im letzten Jahr auf seinem Törn zu berichten: Fische füttern nach dem Genuss von frischen Pfefferbeißern. Nach dem Beladen der Kalliste konnten wir dann alle gepflegt zu Abend essen. Dabei stellte sich doch schon ein leichtes Kribbeln der Vorfreude ein.
Am nächsten Morgen bei einem üppigen Frühstück kam der „ Brötchen Töter “, den wir in den tiefsten Tiefen der Schubladen fanden, zum Einsatz. Er sollte sich bei unseren kulinarischen Gelagen als hilfreiche Stütze bewähren. Dann wurden wir zunächst durch Harald von A bis Z über das Schiff informiert, natürlich unter besonderer Berücksichtigung der „ Klöchen“ Benutzung. Wir waren uns alle einig: “ Nur im äußersten Notfall!“ Auch an Deck ging die INFO Tour weiter. Uns rauchten die Köpfe. Endlich ging es bei Am Wind Kurs und deutlicher Krängung hinaus aufs Ijsselmeer. Wir „ Greenhörner“ hielten uns zunächst sehr gut. Die Stimmung war locker und entspannt. Das zeigte sich bei dem Wortspiel: „ Was machen wir, wenn uns die Piraten angreifen?“ – „ Dann sprengen wir den Fäkalientank!“- Witzig, der war knochentrocken! - Doch irgendwann musste Klaus dann doch die Fische füttern, dabei half auch nicht sein Standartsatz: „Alles wird gut!“. Es gibt fotographische Dokumentationen auf denen er völlig fertig mit dem Kopf am Ruder lehnt und sich ernsthaft fragt: „ Bin ich noch ein Mensch?“ Auf dem Rückweg mit Wind mehr von achtern wurde es auch Sylvia etwas mulmig, weil dieses Schlittern und Rutschen über das Wasser doch sehr an Karussel fahren erinnerte. Dabei fiel es ihr sichtlich schwer sich zwischen Lachen und dem dringenden Bedürfnis zu entscheiden. Es war dann auch für alle beteiligten Zuschauer wohl ein etwas befremdliches Bild: Ein Ehepaar friedlich vereint beim „ Tandem Fische füttern“. Harald rettete sich über diese Situation hinweg, indem er hingebungsvoll die Kartoffeln für das Abendessen schälte. Überraschenderweise schmeckte das dennoch vorzüglich.
Am Sonntag segelten wir dann Richtung Süden vom Ijsselmeer in die Markerwaard und dann bei Amsterdam durch den Nordseekanal. Der Wind war mehr als bescheiden, so dass wir teilweise sogar mit Motorunterstützung segeln mussten. Doch die Sonne war traumhaft. Um etwas für den Taint zu tun, setzte sich die holde Weiblichkeit abwechselnd auf das Vorschiff in die Sonne. Ein Abendessen auf dem Achterdeck rundetet diesen Tag stimmungsvoll ab. Aber unser Ziel war noch nicht erreicht. In tiefster Dunkelheit erreichten wir dann den Nordseehafen Ijmuiden. Das Einparken erwies sich als etwas delikat, doch Vitus meisterte seine Aufgabe großartig. Wir Frauen litten inzwischen schon große Not, denn wir hatten uns standhaft geweigert tagsüber das „Klöchen“ zu benutzen.
Am Montag war unser Ziel die Nordsee. Der Navigator hatte bzg des einzuschlagenden Kurses etwas Probleme. Aber irgendwann wir hatten den richtigen Kus. Der Wind war wieder mehr als schlapp und wir dümpelten bei mäßiger Sicht Richtung Süden. Harald’s Plan sah vor, den Tag und die Nacht durchzusegeln und erst am nächsten Abend wieder einen Hafen anzusteuern. Er hatte einen detaillierten Zeitplan aufgestellt, so dass die Herren der Schöpfung Ruhe- und Arbeitsphasen hatten. Und dann war es soweit. Auch jede noch so voluminöse Blase kapituliert irgendwann und so mussten die Frauen dann doch aufs „ Klöchen“. „Harald, gehst du beim ersten Mal noch mit? - Ich geh` mich schon mal ausziehen!“ Mit diesen Worten kündigte Sylvia ihren Gang an und begann mit der wirklich zeitraubenden Arbeit des Kleiderablegens nach Zwiebelschalensystem. Und wie so oft im Leben: nach dem ersten Mal ist es gar nicht mehr so schlimm... Der Tag neigte sich seinem Ende entgegen und wir konnten wieder auf dem Achterdeck unser Abendessen genießen. Mit einbrechender Dunkelheit krochen die Frauen in die Kojen und die Männer hüteten das Feuer bzw achteten auf die Sterne, den Mond und ... die Lichter. An Schlaf war nicht so wirklich zu denken. Ein ständiges Kommen und Gehen herrschte an Deck. Gegen Morgen wurde es dann plötzlich richtig hektisch. Wendemanöver hin und her, es ging richtig zur Sache. Aber aufstehen, nein, dafür war es eindeutig zu gemütlich in der Koje. Dann beim Frühstück erklärten sich die Herren: Alle waren sich einig auf der Karte eine Bohrinsel gesehen zu haben. Aber diese imaginäre Bohrinsel entpuppte sich dann als sehr realer Ankerliegeplatz für Megatanker. Unsere Jacht war angefunkt worden sofort eine Kuränderung vorzunehmen. Daher die Hektik. Im Laufe dieser Nacht wurden die Pfefferbeißer radikal dezimiert. Wer sich wohl daran gelabt hatte? Oder dienten sie etwa als Nervennahrung?
Mittlerweile stellte sich so etwas wie Routine bei den Crewmitgliedern ein: Die Absprachen wer geht wann wie wohin klappte immer besser. Wir waren mittlerweile wieder auf dem Weg Richtung Norden, bedecktes Wetter. Mögliche Zielhäfen für den Abend waren Texel, Den Helder oder Den Oever. Nach langem 2 stündigem Rechnen und Überlegen stand fest, wir segeln nach Den Oever zurück ins Ijsselmeer. Das war eine weise Entscheidung, denn bedingt durch Sturm hätten wir den Hafen auf Texel am nächsten Morgen gar nicht verlassen können.
Am nächsten Tag, es war mittlerweile Mittwoch, frischte der Wind deutlich auf und wir segelten mit steifer Brise bei Regen und Kälte zurück Richtung Stavoren. Es war mehr als ungemütlich auf dem Achterdeck. Dort hockten wir alle fixiert mit unseren Lifebelts wie die Hühner auf der Stange und waren recht sprachfaul. Dafür wurde es richtig locker nach den ersten drei Ramazottis, die wir uns später im Hafen zum Aufwärmen genehmigten.
Am Donnerstag wurden fleißig Halsen und Wenden und Mann über Bord Manöver geübt. Patrick konnte nicht genug. Ständig ertönte sein:“ Mann über Bord!“ Auch das Anlegen der Kalliste am Steg wollte gut geübt sein. - Aber bitte nicht mit so viel Speed...
Am Freitag hatte der Meeresgott ein Einsehen mit den gestressten Prüflingen: Das Wetter war traumhaft. Der Prüfer sprang dynamisch und gut gelaunt an Bord und ab ging die Post. Nach der Prüfung saßen wir in der Kajüte und tranken unseren letzten Cappuccino an Bord der Kalliste als Vitus nach einem Blick aus dem Fenster plötzlich voller Schreck rief:“ Hey, fahren wir etwa?“ Dann nach einer Weile des Besinnens: „Ach nee, das ist bloß ein Mast, der sich bewegt. – Das ist der Stress!“ Die Lacher hatte er natürlich auf seiner Seite. Nach Putzaktion und Schiffsübergabe fuhren wir alle noch geschlossen nach Lemmer, um zum Abschluss einen leckeren Fisch zu genießen. Das war der krönende Abschluss einer supertollen Woche mit richtig netten Leuten. Herzlichen Dank an Harald und Patrick für ihre Geduld mit uns Greenhörnern.
Die Crew der Kalliste grüßt alle Segler.
Autor: S.Hante Jahr: 2009